Das Autofahren

30. September 2019 0 Von Alex

Wie schon beschrieben, war Auto fahren, keine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Unsere regelmäßigen Besuche bei meinen Schwiegereltern waren diesbezüglich schrecklich. Ich habe die Autofahrten gehasst und unser kleiner Mann auch. Den ersten Frauenarzt Termin im September sind wir das erste Mal alleine gefahren. Es handelte sich um eine Strecke von fünf Minuten, die hat er komplett durch gebrüllt.

Im Oktober wollte ich es nochmal wagen und zu meiner Oma, die zwanzig Minuten Fahrt, alleine fahren. Ich habe mir auf der Strecke schon die möglichen Stopps rausgesucht. Nach langem aus diskutieren mit Freundinnen, bin ich allerdings zu dem Entschluss gekommen, dass ich es nicht schaffe mein Kind im Auto schreien zu lassen. Da er nun mal Angst hatte, verlassen zu werden. Es war auch klar das meine Anwesenheit nicht ausreichen würde um ihn zu beruhigen, schließlich machten wir das ja jede Woche mit. Also habe ich meinen Opa organisiert der uns abholen sollte. Der kleine Mann ist während der Fahrt eingeschlafen, brüllend. Hat aber den Zwischenstopp zum Eier kaufen nicht mitbekommen und hat auch auf der Geburtstagsfeier erstmal im Autositz geschlafen.

Auf der Rückfahrt hat er vom ersten Moment bis zum letzten gebrüllt. Es hat nichts geholfen, mein Opa hat sehr viel versucht obwohl er sich aufs fahren konzentrieren sollte. Es wurde die Musik gewechselt, lauter und leiser gemacht, die Deckenleuchte angemacht, gerufen, gesungen, geklatscht. Um 20 Uhr waren wir endlich zu Hause. Er hatte den Tag über kaum gestillt dafür, aber drei Powernaps auf der Feier gemacht.

Im November hatte mein Onkel Geburtstag. Da klar war dass ich nicht alleine fahren musste, hatte ich die Schnapsidee die Stunde Autofahrt für hundert Kilometer auf uns zu nehmen. Wir hatten schon alle vorgewarnt dass wir vielleicht gar nicht ankommen würden, weil wir sonst einfach umgedreht wären. Aber der kleine Kerl hat es gut mit uns gemeint und ist auf der Hinfahrt einfach eingeschlafen, bis zur Ankunft. Die Rückfahrt war leider nicht so schön. Wir sind in einen Stau gekommen, der leider recht lang war. Solange es vorwärts ging war der Kleine ruhig und versuchte sogar zu schlafen, doch sobald wir standen hat er gekreischt. Ich hab ihm Jacke und Mütze wieder ausgezogen um ein überhitzen zu vermeiden. Erst als wir den Stau hinter uns hatten, ist er endlich eingeschlafen und das auch wieder bis zur Haustür.

Im Dezember kam ich dann auf die glorreiche Idee für meinen Mann ein paar Dinge für den Adventskalender zu besorgen. Eine Strecke die ungefähr sieben Minuten dauern sollte. Ich kam bis zur Hälfte der Strecke, da fing er an mit weinen und letztendlich auch mit kreischen, so dass ich anhalten musste. Ich bin hinten zu ihm eingestiegen und habe ihn aus dem Sitz genommen, da strahlte er mich aus den verheulten Augen an. Währenddessen überlegte ich, ob ich nun umdrehen oder weiter fahren sollte.

Ich entschied mich für weiter fahren. Da die Strecke so kurz war, konnte ich mir nicht vorstellen das er dadurch größeren Schaden nehmen könnte. Ziemlich genervt und frustriert habe Ich mit nahezu leeren Händen das Geschäft verlassen. Auf der Rückfahrt habe auch wieder bei ungefähr der Hälfte angehalten. Wirklich geholfen hat es nicht, das war im Prinzip nur für mein schlechtes Gewissen gut. Mein Mann fand die Aktion super gut, Er hat überhaupt nicht verstanden warum ich danach noch weniger Lust hatte mit dem Auto allein irgendwohin zu fahren.

Schließlich wollte eine der Mädels auf den Weihnachtsmarkt und ich war es leid zu Hause zu versauern. Ich hatte wie immer viel recherchiert und hatte gehofft nun ein paar Störfaktoren beseitigt zu haben. Es sollte nach dem ersten Powernapping also ausgeschlafen, gestillt und frisch gewickelt los gehen. Am Tag vorher hatte meine Schwester ihm einen Einmalhandschuh zum Spielen gegeben, der sollte mein Joker sein. Da ich wusste das er getragen werde würde hatte ich meine Trage eingepackt. Natürlich war es an dem Tag so das er nicht einmal wach wurde als ich aufstand und mich fertig machte. Als er endlich aufwachte, gingen wir los. Wir kamen ohne Probleme bis ins Parkhaus, erst dort ich vermute da es da recht dunkel war fing er an zu weinen. Das war alles noch erträglich.

Auch die Rückfahrt lief wunderbar, er hat am Anfang kurz gebrüllt und ist dann einfach eingeschlafen. Wir wagten kurz darauf einen weiteren Versuch. Diesmal war es leider so das er beim rein setzen ins Auto schon so hysterisch war das ich abgebrochen habe. Er ist dann völlig fertig auf meinem Arm eingeschlafen. Ich hab ihn dann ungefähr dreißig Minuten schlafen lassen und es dann nochmal versucht, diesmal lief es besser. Auch die Rückfahrt war erträglich.

Im Frühjahr wollte meine schwangere Freundin auf einen Babybasar. Auch hier war die Strecke nicht allzu lange also war ich fest entschlossen auch das zu machen. Natürlich hatte der Kleine etwas zu lange geschlafen, so das wir später los kamen als geplant. Die Fahrt lief die ersten zehn Minuten gut und dann ging das Gebrüll wieder los. Auch hier kamen wir fix und fertig an, um dann zu erfahren das meine Freundin schon wieder weg war, weil sie mutigerweise ihren Sohn bei Oma gelassen hatte und der nun wach nach Mama brüllte. Da wir schon mal da waren sind wir dann auch durch gelaufen, nur um ständig angerempelt und weggedrückt zu werden. In entsprechenden Größen gab es leider nichts mehr also gingen wir wieder. Schon beim reinsetzen ins Auto wurde gekreischt. Ich habe in meiner Verzweiflung meine Schwester angerufen, die zwar gut zugeredet hatte, aber mehr war ja nicht möglich.

Nach nicht mal fünf Minuten Fahrt hab ich aufgegeben und habe mitten in der Pampa angehalten und ihn heraus genommen. Da ich nicht weit weg von einer anderen Freundin war, rief ich sie spontan an. Erzählte meine missliche Lage und natürlich kam von ihr sofort das Angebot mir Gesellschaft zu leisten. Kaum hatte ich aufgelegt, rief sie gleich noch einmal an und fragte wie ich meinen Kaffee trinken wollte. Da stand ich nun mit Kind im Sling in der Pampa und fror ziemlich. Nach ungefähr zwei Stunden, davon hatte der kleine ca eine geschlafen, einer frischen Windel und einem geleerten Kaffeebecher, war ich bereit Heim zu fahren. Ich verabschiedete mich und setze mein Kind ins Auto. Er brüllte genauso weiter als hätten wir nie angehalten. Von da an entschied ich immer weiter zu fahren, da er offensichtlich nicht an fehlenden Bedürfnissen liegen konnte. Außer das er nicht bei mir auf dem Arm war, und das geht nun mal beim Autofahren nicht.

Ungefähr einen Monat später wollten die Mädels ein Treffen bei einer von ihnen machen. Inzwischen liefen die kurzen Strecken zu meinen Schwiegereltern recht gut, so das ich mir das auch diesmal zutraute. Die Fahrt hin war fürchterlich, er hat nach ungefähr fünfzehn Minuten angefangen hysterisch zu werden und ließ sich erst mit heraus nehmen beruhigen. Leider hatte ich die falsche Adresse notiert und bin am anderen Ende der Stadt angekommen. Beim wieder reinsetzen ins Auto war es natürlich noch schlimmer. Wir waren ziemlich fertig als wir endlich ankamen. Der Nachmittag dort verlief recht angenehm. Die Rückfahrt war leider nicht viel besser.

Schließlich kam der Tag an dem ich auch mal eine längere Strecke allein testen wollte und bin zu einer der Mädels aus dem Rückbildungskurs gefahren. Die Strecke war ca vierzig Minuten lang. Diesmal hatte ich geplant das der Kleine im Auto schlafen sollte. Das hat wunderbar geklappt. Die Rückfahrt war nicht so prickelnd. Er ist bei ungefähr der Hälfte der Strecke eingeschlafen und da bin ich in einen Stau geraten und er ist exakt nach dreißig Minuten aufgewacht und hat gebrüllt. In meiner Verzweiflung habe ich angefangen zu singen. Nachdem “i want to kill myself” nicht mehr funktionierte bin ich dazu übergegangen Kinder Lieder zu singen . Siehe da “lalelu” “hoppe hoppe Reiter” klappten am besten.

Letztendlich funktioniert Autofahren inzwischen recht gut, so das ich auch Einkäufe und Besorgungen gut alleine erledigen kann. Er schläft recht häufig ein beim Auto fahren und weint nur noch ganz selten. Wir gehen regelmäßig Freundinnen mit Kindern besuchen.

Beim nächsten Mal erzähle ich wie wir zum Tragen gekommen  sind und was für Hindernisse wird da bewältigen mussten.