Das Anziehen

Das Anziehen

17. Februar 2019 0 Von Alex

Da hatte ich nun ein winziges Würmchen vor mir liegen, dass ich jetzt anziehen und umziehen sollte. Ganz schön schwierig, alles war damals so klein und zerbrechlich. Die Klamotten waren oft auch viel zu groß. Bei meinem Sommerbaby musste ich mir recht schnell keine Gedanken machen, was er alles anziehen sollte. Er hat sehr schnell geschwitzt, da er ständig auf irgendeinem Arm war. Leider wurde mir damals im Krankenhaus nichts gezeigt. Die Nachsorge Hebamme hat mir ein paar Kniffe gezeigt, die beim Wickeln wichtig waren. Am Anfang war das Anziehen noch relativ einfach, da er sich noch nicht wehren konnte. Natürlich gab es Momente, in denen der Kleine lautstark zu verstehen gab, dass er damit nicht einverstanden war. Es ging ihm oft nicht schnell genug und er hätte lieber gerne geschlafen oder gestillt oder einfach auf dem Arm gekuschelt.

Muttermilch oder doch Pipi

Da unser Sohn leider anfangs oft gespuckt hat, musste ich ihn und mich damals häufig umziehen. Ich konnte diesen Geruch von Muttermilch einfach nicht ertragen. Schon merkwürdig, wenn man bedenkt, dass ich das Zeug selbst produziert hatte. Wie oft ich eine auslaufende Windel verflucht habe und stattdessen nur auf ihn “getropft” hatte, will ich gar nicht wissen. Als wir anfingen mit Stoffwindeln zu wickeln wusste ich noch nicht, dass zu enge Hosen zum Auslaufen führen können. Auch nicht, dass man den Pennis in die richtige Richtung legen muss. Außerdem passte der dicke Stoffwindelpopo in kaum eine Hose. Nahezu alle Hosen die man heutzutage kaufen kann, sind für Wegwerfwindeln ausgelegt.

Unpraktisch für unsere Bedürfnisse

In der Nacht wurde keine Decke akzeptiert, entsprechend mussten wir darauf achten, dass er anfangs nicht zu wenig anhatte. Da er auch nachts die meiste Zeit auf mir lag, bekam er genug Körperwärme ab. Die meisten Sachen haben nicht richtig gepasst oder waren für mein Windelfreibaby unpraktisch. Viele Kleidungsstücke hatten keine Öffnung unten, so das ich ihm ständig die Hosen komplett ausziehen musste. Schlafanzüge habe ich nur benutzt, wenn diese aufknöpfbar waren. Wenn ich ihn nachts abhielt oder nur Winkeln wollte, musste es einfach schnell gehen. Beides war für uns jedes Mal nervig und er hat lautstark protestiert.

Manchmal doch zu spät

Ich habe leider viel zu spät erfahren, dass die große Öffnung am Kopfeinstieg der Oberteile dafür gedacht ist, von unten her an- und ausgezogen zu werden. Die Bodies waren im Winter ganz geschickt da der Beckenbereich warm blieb, aber für den Topfgang die reinste Katastrophe. Ständig wurde der Body angepinkelt, weil er im Topf hing. Als wir schon keine Bodys mehr benutzten, kam der Tipp ihn einfach nach oben zu Knöpfen. Allerdings konnte ich oft den Toilettengang sehr gut nutzen, um die Hose umziehen.

Festtackern geht halt nicht

Alle Mützen die wir hatten wurden irgendwann gehasst und ich wurde sogar von Passanten angesprochen, weil mein Sohn bei 40 Grad keine Mütze trug. Ich erklärte damals, dass ich sie ihm nicht an den Kopf tackern kann. Er zog sie sich immer selbst vom Kopf. Schließlich brachte eine Freundin ein paar Mützen. Ihr Kind fand Mützen auch eine Weile blöd und die wurden damals akzeptiert. Die hat unser Sohn dann auch gern angezogen. Oft störten auch die Etiketten in den Oberteilen und Hosen, die haben wir dann meist raus geschnitten. Somit habe ich bei vielen leider keine Ahnung mehr was es für Größen sind.

Selfmade nicht unbedingt besser

Er mochte auch keine Halstücher oder Schal und natürlich auch keine Handschuhe. Ich habe ihm einen Loopschal gestrickt und einen kurzen den man aufknöpfen kann. Der Loop war sonst ganz in Ordnung, nur leider unpraktisch wenn er beim Spazieren im Tuch eingeschlafen war. Also habe ich oft den kurzen Schal zum aufknöpfen verwendet. Da Handschuhe bis zum zweiten Lebensjahr auch ungern getragen wurden, habe ich auch hier alles mögliche versucht. Die verrückteste Idee war Socken so zu zuschneiden, dass die Finger und der Daumen frei waren und die Handfläche warm blieb. Leider hat er auch die nicht anziehen wollen.

Lieber weniger als mehr

Ich habe recht schnell aufgehört ihn in den schlimmen Phasen komplett umzuziehen. Oft hatte er nur eine bequeme Hose zum Schlafen und oben herum die Tageskleidung. Ich habe ihn nur umgezogen, wenn die Kleidung wirklich dreckig war. Wenn wir nirgends hin mussten, lief er oft nackt zu Hause rum. Es gab auch ein einige Monate wo ich wirklich kaum das Haus verlassen habe. Zum einen musste ich wirklich stundenlange betteln und betteln das er sich anziehen lassen hat. Einfach anziehen war nicht möglich, er hat sich gewehrt und sich aufgeführt als würde ich versuchen in ab zustechen. Also habe ich mir vorher lange überlegt ob es mir der Kampf wirklich wert ist. Leider wurde oft beim Essen oder bei Schnupfen der Ärmel zum Abwischen benutzt entsprechend sah der dann aus.

Völlig anderes Kälteempfinden

Ihm ist viel später kalt als uns, da er so ein Energiebündel ist. Leider hat er lange gebraucht, bis er sich nicht von seinem Kältegefühl ablenken lassen hat. Der Test ihm bei entsprechenden Temperaturen entscheiden zu lassen, wann er eine Jacke oder ähnliches anziehen möchte, ging bei uns ordentlich in die Hose. Er war zu aufgeregt, weil wir gerade einem Bagger zugeschaut hatten. Wir sind auch schon Stunden im Regen gelaufen, weil er einen Bagger kaufen wollte. Er hatte mir erst viel später gesagt, dass es ihm schon lange kalt war. Seine Kleidung war leider auch nicht komplett dicht, das hatte er mir auch nicht mitgeteilt. Er hat erst im zweiten Winter deutliche Anzeichen gemacht dass ihm kalt ist, vorher hatte ich das Gefühl, dass ihm einfach nie kalt ist.

Er hat seinen eigenen Kopf

Was viele nicht verstanden haben, das er tatsächlich schon recht früh genau wusste, was er anziehen möchte. Ich habe ihm mal aus Verzweiflung auf einen weißen Body Fahrzeuge mit Stoffmalstiften drauf gemalt. In der Hoffnung, dass er dann endlich etwas ohne großes Drama anzieht. Hat natürlich nicht so funktioniert wie ich mir das vorgestellt hatte. Seine Kleidung habe ich kurz nach seinem ersten Geburtstag in Griffweite einsortiert. Natürlich hatte ich auch hier gehofft, dass er sich leichter anziehen lässt, wenn er sich seine Kleidung selbst aussuchen kann. Ich habe auch schon mit ihm zusammen seine weißen Schuhe mit Woody Stiften blau angemalt, seither zieht er sie auch gerne an.

Er entscheidet was er anziehen will

Er hat auch schon mit Zwei Jahren seine Pullover und Hosen ausgemistet. Er hat auch ausgesuchte Lieblingsteile, die er gefühlt ständig trägt, außer sie sind gerade in der Wäsche. Inzwischen kennt er auch ein paar Comic Helden die er auch bevorzugt anzieht. Merkwürdigerweise bedeutet das nicht, dass er grundsätzlich alles anzieht was die entsprechenden Helden darstellt. Wenn er entschieden hat das zum Beispiel ein er paar Schuhe nicht mag dann zieht er sie nicht an. Einziges akzeptiertes Argument um Kleidung wechseln zu lassen war, wenn Milch darauf kam. Da diese nicht geruchlos trocknet. Aber auch da war das umziehen schwierig. Wir haben angefangen uns von dem Kleidungsstück zu verabschieden, das hat etwas geholfen. Mir ist sehr wohl klar, dass die Veränderung das große Problem war. vielleicht auch die Übergänge problematisch!

Ein vor Kälte kreischendes Kind

Für ihn ist es einfach wichtig selbst entscheiden zu können was er anziehen möchte. Leider brauche ich dafür sehr viel Geduld, um ihm genug Zeit zu geben. Es gibt nur einen Zeitpunkt bei dem ich mich über ihn hinweg setze und das ist, wenn er krank ist und sich nicht entsprechend anziehen möchte. Da in dem Alter die Konsequenzen noch nicht klar, sind bringt auch keine Erklärung etwas. Denn auch wenn wir wissen, ihm wird kalt wenn er das nicht anzieht, interessiert ihn das oft nicht. Sehr oft habe ich am Ende eines Ausflugs nach draußen ein vor Kälte kreischendes Kind gehabt, weil ihm zu spät aufgefallen war, dass die Hände kalt wurden. Das es dann nichts mehr bringt Handschuhe anzuziehen, hat ihn vermutlich auch ziemlich geärgert.Seit er sich zum größten Teil selbst an- und ausziehen kann, funktioniert es inzwischen etwas besser. Ich bin gespannt was wir noch alles für Phasen mit ihm durchmachen dürfen.