Heiraten mit Kind

Heiraten mit Kind

31. März 2019 0 Von Alex

Kurz nachdem wir  erfahren haben das ich schwanger bin, bekam ich doch tatsächlich einen Antrag. Ich wollte nach zwei verkorksten Verlobungen eigentlich nicht mehr heiraten. Gut ich wollte auch nach dem 25. Lebensjahr keine Kinder mehr bekommen. So musste ich mich dann doch letztendlich mit einer Hochzeit und der Planung auseinandersetzen.

Die Planung

Bei der Planung war mir meine Schwester eine riesen Hilfe, ohne sie hätte ich wohl sehr viel vergessen. Sie hat uns ab Geburt nahezu jeden Donnerstag besucht, so konnten wir uns permanent absprechen und gegebenenfalls abgleichen was auf unseren Listen stand. Am nervigsten war, dass wir erst ca. sechs Monate vorher nach einem Termin schauen konnten. Das ungefähre Datum wusste ich, es sollte um den ersten Geburtstag vom Kleinen sein. Ich hatte die Sorge, das ich dann keinen freien Tisch mehr im entsprechenden Restaurant bekommen könnte. Natürlich haben mein Partner und ich zusammen überlegt wen wir einladen wollen. Mir war klar, das ich keine Riesenparty haben wollte, nicht nur wegen dem lieben Geld sondern, weil ich einfach nicht der Typ dafür bin. So wie sich die Dinge mit unserem Jungen damals entwickelt hatten, war mir klar, das ich ihn nicht einfach zu der Oma abgeben kann um die Hochzeit zu genießen. Unabhängig davon, das ich mein Kind natürlich dabei haben wollte. Einen Polterabend oder Junggesellenabschied wollten wir beide nicht.

Planung Standesamt

Wie oft üblich sollte die Trauung gegen 11 Uhr sein. Einen kleinen Sektempfang sollte es anschließend geben. Wir hatten nur wenig Sektgläser also war die Überlegung Plastikgläser zu nehmen. Nun sind meine Schwiegereltern und Großeltern nicht mehr die Jüngsten und ihnen zu liebe haben wir uns entschieden den “Erwachsenen” Gläser zu geben, der Rest sollte Plastik bekommen. Sekt hatte meine Schwester besorgt und natürlich auch Orangensaft. Ich wollte das mein Mann mich nicht vor der Trauung sieht. Wie es der Zufall so wollte, sollte er einen Teil seiner Familie abholen. Meine Schwester sollte mit ihrem Freund mich und den Kleinen abholen.

Partyplanung

Nun hatte meine Schwester netterweise angeboten bei ihr auf dem Grundstück zu feiern. Da sie wusste das unsere Feier recht klein bleiben sollte. Ich habe mich lange im Internet umgeschaut, weil ich die Idee eines Foodtrucks ganz gut fand, allerdings hat sich nichts passendes gefunden oder unsere Gästezahl war wohl auch zu klein. Meine Schwester hatte noch einen Tipp für einen Caterer bei sich im Ort, nach Durchsicht der Menüplatten haben wir uns dafür entschieden. Das Essen sollte gebracht werden und wir sollten die Leeren Gefäße wieder zurück bringen. Es sollte auch eine Deko geben, ich hatte mich für das Thema Filme und Games entschieden. Unsere Gäste durften verkleidet erscheinen. Getränke wollten meine Schwester und ihr Freund besorgen. Einer meiner besten Freundinnen wollte die Torte machen. Ich hatte natürlich überlegt eine selber zu machen mir war aber schnell klar, dass ich dafür weder Zeit noch nerven haben würde. Schließlich war da noch die Überlegung was wir denn für ein Programm anbieten sollen, da viele Kinder kommen würden. Die beste Idee war ein aufblasbarer Pool, da recht schnell klar war, dass es warm sein würde. Wegen der Kinder haben wir uns entschlossen die Party gegen 15 Uhr starten zu lassen mit Essenslieferung auf 17.30 Uhr und dann bis Open End. Musik sollte aus der Anlage sein.

Anmeldung zur Eheschließung auf dem Standesamt

Das war bei uns erstmal schwierig, da der Kleine und ich in einem anderen Landkreis geboren sind, wie wir wohnhaft waren. Es war ziemlich kompliziert, weil das Krankenhaus damals wohl die Sorgerechtserklärung einbehalten hat und uns das nicht aufgefallen war. Dank deutscher Bürokratie, habe ich stundenlang mit den netten Herren und Damen auf den Ämtern telefoniert, damit das richtige Amt die entsprechenden Unterlagen hat. Im Standesamt lief die Anmeldung zur Eheschließung recht entspannt. Unser Kleiner war auf dem Schoß gut aufgehoben und hat die sehr lange Predigt des Beamten gut überstanden.

Einladungen und Gastgeschenke

Nachdem wir wussten wie der Ablauf sein sollte, haben wir uns für drei Einladungstexte entschieden. Es gab drei Events, das Standesamt für alle die kommen wollten, anschließend Mittagessen mit Familie und Trauzeugen und schließlich die Party für das junge Volk. Die Einladungen habe ich selbst gestaltet, da wir uns für ein Game Theme entschieden hatten floß das mit ein. Die Tischkarten wurden im selben Stil gestaltet. Die Gastgeschenke sollten die üblichen Hochzeitsmandeln sein, die wir auch selbst in passende Gefäße gefüllt hatten. Alles hat ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen und ich bin sehr froh um die ganze Hilfe die ich erhalten habe. Die meiste Arbeit erledigte ich an meinem kinderfreien Tag, da alle bastelarbeiten nur so möglich waren.

Anprobe

Ich habe mir alle Sachen aus dem Internet bestellt. Das Kleid hatte ich damals von lolablossom bestellt, dort musste ich nur meine Körpermasse und die Wunschfarbe angeben. Die Schuhe und Den Haarschmuck habe ich bei Amazon bestellt. Mein Kleid hat super gepasst dafür das kein Schneider Maß genommen hatte. Als Schuhe hatte ich einmal Peeptoes und ein Paar klassische Pumps bestellt. Da wollte ich spontan schauen welche ich anziehen möchte. Meinem Verlobten habe ich nicht gezeigt was ich anziehen werde, ihm habe ich nur die Farben gesagt. Da ich leider niemand hatte der mir bei der Anprobe half, musste ich meine Handy dazu benutzen. Dabei habe ich Selfies gemacht und mir später angeschaut. Leider gab es viele Bilder die nicht zu gebrauchen waren, da unser quirliger Sohn ständig versucht hat an das Handy zu kommen.

Hochzeitsringe

Hochzeitsringe haben wir vier Wochen vorher im nächstgelegenen Ort bestellt. Da das Geschäft in der Innenstadt lag, sind wir zu Fuss hin. Wie zu dem Zeitpunkt üblich wurde unser Kind von mir im Tuch getragen. Natürlich war es ausgerechnet an dem Tag fürchterlich heiß. Die Aussuchprozedur, das Anpassen und den Gravurtext festlegen verlief relativ problemlos. Unser Kleiner hat brav gewartet bis wir fertig waren. Ich hatte ihn aus dem Tuch gebunden, da es auch im Geschäft sehr warm war. Auf dem Rückweg habe ich mich lautstark darüber ausgelassen, warum ich nicht versucht hatte den Buggy zu nehmen.

Restaurant

Wir hatten Glück und das gewünschte Restaurant war zum entsprechenden Zeitpunkt noch frei. Ich wollte kein Abendessen haben, da ich mir nicht vorstellen konnte wie wir die Zeit zwischen Standesamt und Abendessen überbrücken könnten. Da unser Sohn am Hochzeitstag noch einen Mittagsschlaf brauchen würde, hätten sich alle auswärtigen Gäste dann zumindest ohne Braut beschäftigen müssen. Es war mir lieber nach dem Standesamt gleich Essen zu gehen, mit anschließend Kaffee und Kuchen wäre der Tag um 15 oder 16 Uhr gelaufen. Wie das Ganze mit dem Kleinen und dem eigentlichen Mittagsschlaf laufen würde, wollte ich mir noch gar nicht ausmalen. Wir hatten uns auf der Homepage schon entsprechende Menüs ausgesucht, so kamen wir vorbereitet zu dem Vorgespräch. Das Menü war recht schnell geklärt und die Deko auch, ich wollte meine Tischkarten haben und sonst nichts aufwendiges. Unser kleiner Mann war auch hier recht geduldig, da er erstmal wie immer sehr schüchtern abwechselnd auf unserem Schoß saß und schließlich mit meinem Mann das Restaurant unsicher machte. Wir hatten ausgemacht, dass die Tischkarten einen Tag vorher dort abgeben werden konnten.

Vor der Trauung

Ich war sehr früh morgens schon beim Friseur, leider musste ich danach direkt Heim, also hat mein Verlobter schon die Hochzeitsfrisur gesehen. Er hat sich dann gerichtet, unser Kleiner ist wie immer an der Brust eingeschlafen. Ich bin etwas unbequem im Bett gelegen, da ich aufpassen musste, dass meine Frisur nicht wieder zerstört wird. Um 9.30 kam meine Schwester mit ihrem Partner. Mein Verlobter hat die Beiden noch rein gelassen und ist dann los zu seinen Eltern. Daraufhin bin ich auch aus dem Bett und habe mich angezogen und geschminkt. Natürlich hat an diesem Tag mein Sohn brav ohne mich weiter geschlafen, das war sonst eher selten der Fall. Um 10.15 Uhr habe ich ihn dann geweckt, das wurde mit viel kreischen quittiert. Das Umziehen und ins Auto packen war für mich schrecklich, der Kleine war wirklich die ganze Zeit nur am Brüllen. Wir kamen gerade so pünktlich um 11.00 Uhr am Standesamt an. Mein Verlobter hat natürlich kurz erwähnen müssen, dass es ganz schön knapp war. Er hat aber zum  Glück auch erwähnt, dass sich das warten gelohnt hat. Alle haben uns begrüßt und ich habe meinen Brautstrauß von meiner Schwiegermutter überreicht bekommen. Als dann alle da waren sind wir reingegangen, Kind war immer noch ziemlich genervt.

Im Standesamt

Von der Rede der Standesbeamtin habe ich ehrlich gesagt nicht viel mitbekommen. Unser Sohn ist ständig von meinem Schoß zum Schoß von Papa gewechselt. Es war fürchterlich heiß und ich bin froh, das ich wenigstens an der richtigen Stelle unterschrieben habe. Die Fotos die direkt nach der Trauung drinnen entstanden sind waren von der Qualität nicht besonders und unser Sohn hat auch nur grimmig oder verheult geschaut. Der Versuch von meinem dann Schwiegervater ihn zu nehmen, wurde natürlich auch mit entsprechendem Gekreische beantwortet.

Nach der Trauung draussen

Nach der Trauung gab es draußen einen Sektempfang und alle haben Fotos geschossen. Es war heiß das Kind und ich hatten Hunger, entsprechend war die Laune. Auf kaum einem Foto haben es alle drei geschafft zu lächeln oder halbwegs harmonisch auszusehen und wenn doch, war das Bild unscharf. Schließlich wurde angestoßen und traditionell habe ich den Brautstrauß geworfen. Leider hat die Freundin ihn nicht schnell genug gefangen, er ist also mit einem lauten Krachen auf dem Boden gelandet. So wirklich fangen wollte ihn glaube ich auch keiner. Meine Schwiegermutter hat leider mehrfach versucht den Kleinen zu nehmen, obwohl ich vorher schon geklärt hatte, dass ich darauf keine Lust hatte. Denn es war völlig klar, dass er nicht zu jemand anderem gehen würde wie zu seinen Eltern. Natürlich hat sie es nur gut gemeint, aber ich wollte wenigstens an meinem Hochzeitstag mein Kind nicht brüllend auf dem Arm von jemand anderem haben.

Essen gehen

Die Sitzordnung war ein Riesen Thema bei meiner Schwiegermutter. Mich persönlich hat es nicht wirklich interessiert Hauptsache alle bekommen zu Essen. Mein Mann hatte zwei Tage vorher entschieden, dass wir nun doch eine Sitzordnung machen sollen. Nach Internet Recherche sah diese folgendermaßen aus: Ich rechts vom Bräutigam, die Trauzeugen, die Eltern und schließlich die Geschwister und meine Großeltern. Mein Mann hat sich dann kurzerhand dazu entschieden alle “Alten” zusammen zu setzen.

Wir sind nach dem Standesamt zum Essen in ein Restaurant in unserem Wohnort gegangen, da ich die Möglichkeit haben wollte jederzeit nach Hause gehen zu können. Wir setzten uns alle an Tisch und da fiel mir ein, das ich den Trinkbecher vom Kleinen vergessen hatte. Mein Mann ist nochmal Heim gelaufen, um sie zu holen. Unser Essen kam als er noch unterwegs war. Beim Anblick fragten meine Schwester und die Freundin meines Bruders ob die Soße den laktosefrei sei. Na super, natürlich hatte ich in dem ganzen Stress vergessen, dass sie ein laktosefreies Essen brauchten. Wir hatten im Restaurant den Wintergarten bekommen, leider war es wirklich viel zu warm, so das wir unseren Nachtisch im Garten zu uns nehmen wollten. Zum Glück hatte niemand etwas dagegen. Beim Verabschieden hatten wir vor noch Trinkgeld zu geben, auch das hatte ich mit nicht notiert also musste mein Mann noch kurz zur Bank und welches holen. Anschließend ging es Heim ins Bett.

Die Party

Die Party fand einen Tag später auf dem Grundstück meiner Schwester und ihrem Partner statt. Ihre Garage haben wir mit ein paar Game Pappaufsteller und Poster Dekoriert. Die extra bestellte Deko hatte ich zu Hause vergessen. Ich bin quasi nur rum gerannt mit Kind im Tuch oder an den Händen. Den Mittagsschlaf hat er im Buggy gemacht kurz bevor die Gäste kamen. Als Brautpaar die Hochzeitstorte anschneiden mit Zappelkind auf dem Arm war für meinen Mann sicher stressig. Das Essen war nur möglich wie sonst, der Ehemann hat ihn solange genommen. Die Gäste haben sich denke ich gut amüsiert. Das Wickeln und Abhalten lief ganz gut. Wir haben bis 22 Uhr durchgehalten. Auf der Heimfahrt hat der Kleine leider lange gebrüllt. Ich dachte ja das er ist fertig vom Tag, es hat sich herausgestellt, das er einfach nur ganz dringend aufs klo musste. Die Stoffwindel war durchnässt als ich zu Hause ankam.

Resume

Die Einladungen wurden von nahezu keinem gelesen, ein Wunder das die Leute überhaupt zum richtigen Datum erschienen sind. Ein einziges Gastpaar hat auf die angegebene Handynummer reagiert. Die Adresse zum Standesamt wurde nicht von allen beachtet. Die Gastgeschenke und Tischkarten hätte ich mir komplett sparen können, kaum einer der Gäste hat sie mitgenommen. Die Dankeskarten habe ich geschafft zu verschicken, glaube aber ehrlich gesagt nicht das die ebenfalls wirklich Beachtung bekommen haben. Vom Essen ist viel zu viel übrig geblieben. Ich habe kein einziges Stück Torte eingefroren. Der Strauß liegt mit dem Kleid irgendwo im Keller und gammelt vor sich hin. Ein richtiger Fotograf nach dem Standesamt wäre sicher sinnig gewesen. Ich würde wohl lieber mit Dickbauch hochschwanger heiraten, wie nochmal mit einem einjährigen Highneedkleinkind im Entwicklungsschub. Oder abwarten bis es zwei oder drei Jahre alt ist.