Highneedbaby

30. April 2018 0 Von Alex

Das unser Sohn anders war fiel mir auf, nachdem ich einige Gespräche mit anderen Mamas hatte. Als andere sagten genieße die Babyzeit, fragte ich mich dauernd was ich genießen soll und wann der Zeitpunkt zum genießen kommt. Natürlich habe ich wieder recherchiert und bin dabei auf einen Blog mit Kriterien gestoßen die unser Kind beschrieben. Im englischen werden solche Babys als Highneed bezeichnet. Dr. Sears hat 12 Punkte zusammen gefasst die ein solches Kind auszeichnet im Orginal hier nachzulesen. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen soll. Mir ging es aber besser. Plötzlich machte ich mir keine Vorwürfe mehr ob ich daran schuld bin das er so ist.

12 Punkte nach Dr. Sears

  1. Intensiv–Die Art wie das Kind weint, die Lautstärke seiner Stimme und vor allem die Intensität mit der es sich eine umfassende Versorgung einfordert.
  2. Hyperaktiv– Dies ist lediglich eine Beschreibung und keine Bewertung. Es hat nichts mit ADHS zu tun, bedeutet, dass dein Baby sehr aktiv ist, geistig sowie körperlich und wirkt selten sehr entspannt.
  3. Anstrengend– Dein Baby fordert viel, es kostet dich unheimlich viel Energie.– Dein Baby fordert viel, es kostet dich unheimlich viel Energie.
  4. Will ständig an die Brust/ gefüttert werden– Babys stillen nicht nur ihren Hunger, sie genießen auch die Nähe. Besonders High Need Babys stillen oft und lassen sich gerne Zeit dabei um die Nähe so lange wie möglich zu genießen.
  5. Dein Baby fordert sehr viel– Wenn dein Baby etwas will, dann sofort. Es fordert es, lauthals.
  6. Wacht ständig auf– Auch wenn High Need Babys von allem viel mehr brauchen, eins brauchen sie nicht und das ist viel Schlaf.
  7. Unzufriedenen – Es wird Tage geben, wo alles Tragen, Stillen, Schaukeln und Bespaßen nichts nützen wird.
  8. Unberechenbar– Bei High Need Babys wird es Tage geben, wo das Tragen im Tragetuch das schönste auf der Welt ist. Am nächsten Tag kann das aber schon wieder anders aus sehen.
  9. Sensibel– Diese Babys mögen Vertraut- und Sicherheit. neue Situationen lösen in ihnen mehr aus als in anderen Babys.
  10. Lässt sich nicht ablegen– es gibt aber auch das Gegenteil, manche Babys benötigen mehr Raum für sich.
  11. Kann sich nicht selbst beruhigen– Das können natürlich viele Babys am Anfang nicht. Bei High Need Babys hilft meistens jedoch nur die Interaktion mit Mama oder Papa um sich zu beruhigen.
  12. Trennungen fallen schwer– Aus der Sicht eines High Need Babys bist du als Mama oder Papa/Bezugsperson ein Teil von ihm und keine eigenständige Person.

Unser Highneedbaby

Bei uns trafen nicht alle 12 Punkte zu. Mit dem Wissen wie die Menschen sich entwickelten und man verhältnismäßig kurze Zeit die moderne Lebensweise hat, sieht man viele “Probleme ” der Babys gar nicht mehr als solche an. Ein Baby schläft nicht allein, weil es den Tod bedeuten kann, in Form von Kälte, Freßfeinden oder zurückgelassen werden. Tagsüber im Tuch oder auf dem Arm schlafen ergibt Sinn, da wir Nomaden waren, die viel wanderten und die Kleinen wurden natürlich getragen. Mein Kind wachte auf sobald wir uns nur setzten. Es wurde anfangs bei allen außer bei Mama gebrüllt, sie ist Sicherheit und Nahrungsquelle in einem.


Nachdem ich den Blog gelesen hatte, habe ich mich mit einigen Müttern in meinem Freundeskreis darüber unterhalten. Eine war überhaupt nicht glücklich, da ich wohl vor hatte mein Kind in eine Schublade zu stecken und unser Leben danach richten möchte. Ich habe recht schnell aufgehört mich mit ihnen über gewisse Themen zu unterhalten. Das fand ich schrecklich, schließlich gibt es nur wenige Mamas die ich kenne, die in meinem Alter waren und die für den doch so wichtigen Austausch gut sind.

Facebookgruppe


In meiner Verzweiflung und dem Unverständnis, dass mir zum Teil entgegengebracht wurde, musste mal wieder Facebook herhalten. Und siehe da auch hierfür gab es eine Gruppe, diese war noch recht klein. Die Beschreibung befasste sich mit dem oben genannten Dr. Sears daher wusste ich, hier bin ich richtig. Nach kurzem lesen der Einträge stellte ich fest, hier werde ich verstanden. Plötzlich gab es ganz viele Babys die meinem entsprachen, Eltern die genauso nach Hilfe und Verständnis suchten. Aber auch Momente in denen ich feststellte, das unser Kind gar nicht so schlimm war. Er war zum Beispiel kein klassisches Schreikind. Was allerdings nicht bedeutet das er in meinen Augen wenig schrie. Nächtliche Wachphasen hatten wir kaum und der Papa wurde recht schnell als Bezugsperson akzeptiert.

Keine Kurse für uns

Aus Erfahrung habe ich viele Situationen vermeiden müssen oder zu Gunsten meines Sohnes gelassen. Die üblichen Kurse wie Babyschwimmen oder Babymassagen sowie Pekip waren allein schon aufgrund der Autofahrt nicht möglich. Den ersten Kurs haben wir erst besucht als er schon 16 Monate alt war. Er braucht lange bis er sich wohl fühlt. In Kursen die wir besucht haben hat er sich oft erst beim dritten Besuch entspannt. Familienfeiern waren anfangs schrecklich. Die allgemeine Haltung Babys gegenüber in meiner Familie fand ich unmöglich.

Da war es normal das er brüllen muss, weil ihn jemand auf den Arm nehmen wollte. Für mich undenkbar. Ich wurde als Weichei bezeichnet, weil ich ihn nicht zum Einschlafen schreien lassen wollte. Ihm wurde kein Respekt entgegengebracht, ungefragtes anfassen war normal. Für das unterbinden wurde ich natürlich auch entsprechend betitelt. Unser Sohn ist bis heute sehr kritisch anderen Menschen gegenüber.

Ich lernte viel Neues


Dadurch das er sich nicht ablegen lassen wollen, lernte ich ihn im Arm an und auszuziehen. Mich selbst konnte ich leider nicht vollständig umziehen mit ihm auf dem Arm da ging es nicht anders. Essen war oft eine Herausforderung. Er hing über der Schulter und ich hatte mein Essen auf der Mikrowelle und aß stehend. Duschen hatte ich mit ihm zusammen versucht, wollte er leider auch nicht. Somit wurde entweder geduscht, wenn der Papi da war oder ich habe ihn in den Maxi Cosi und später in den Hochstuhl gesetzt. Zusammen baden traute ich mich erst allein, als er sicher sitzen konnte. Für ihn war es nur solange toll, bis ich mich anziehen und fertig machen musste. Aufgrund der wenigen Zeit die er mir gönnte, trennte ich mich von meinen langen Haaren. Abgesehen davon hatte er beim Rücken tragen im Tuch, viel Freude daran an den Haaren zu ziehen.


Viele sagten das ein strukturierter Tagesablauf dem Kind helfen sollen ihn zu regulieren. Das funktionierte nur bedingt. Ob ein ereignisreicher Tag zu längeren Schreiphase oder schlechterem Schlaf führte, habe ich leider noch nicht herausgefunden. Im Schub wurde oft viel weniger geschlafen. Auf den Schlafrhythmus musste ich anfangen zu achten. Da wir feststellen mussten dass er nach fünf Minuten schlafen im Auto wieder so viel Energie hatte, das er bis zum Abend nicht mehr schlief. So musste ich auch die komplette Tagesplanung um die Tagesschläfchen herum basteln.

Ich habe viel ausprobiert


Er hat anfangs ständig genörgelt. Ich habe mit vielen Hilfsmitteln versucht unser Zusammenleben zu verbessern. Ganz am Anfang versuchte ich, wenn tragen nicht möglich war ihn in der Wippe zu bespaßen. Als er sitzen konnte war er im Hochstuhl. Sobald er sicher stehen konnte bekam er einen selbstgebauten Lernturm. Jedes mal wenn er etwas neues konnte oder durfte hat sich die Laune für ein paar Tage verbessert. Seit er laufen kann ist er ein sehr fröhliches Kind.


Unser Sohn fordert schon immer viel Aufmerksamkeit. Ich muss bei ihm sitzen am besten natürlich mitspielen. Er ist sehr trickreich hat Abläufe schnell erkannt und beeinflusst sie zu seinen Gunsten. Wenn etwas nicht so läuft wie er es möchte, herrscht Weltuntergangsstimmung es fließen auch sofort Tränen. Sehr schnell kann er aber auch wieder lachen sobald die Situation vorbei ist. Er kann von nichts genug bekommen, wenn er gefallen an etwas gefunden hat. Viele Dinge finden von seiner Seite kein Ende. Spiele die ihm Spaß machen spielt er lange. Meist sind wir Erwachsenen diejenigen die vorher aufhören müssen, weil uns schlicht die Kraft ausgeht.


Es gibt immer noch Tage die wahnsinnig anstrengend und kräftezehrend sind. Allerdings hat sich vieles gebessert. Mit dem Buggy in der Stadt shoppen gehen sind Dinge die ich uns bis er 18 Monate alt war nicht zugetraut hätte. Natürlich gibt es auch Dinge die noch immer schwierig sind. Bisher haben wir es noch nicht geschafft abzustillen und schlafen ist auch eine Sache für sich. Erzähle ich dir hier Schlafen und hier Abstillen.