Krankenhaus

Krankenhaus

20. Juli 2017 0 Von Alex

Meine Zimmer Nachbarin hat mir gleich Tipps gegeben. “Lass dir den Katheter nicht um 5 Uhr ziehen, weil bis um 9 hilft dich keiner auf die Toilette und bis dahin bist du geplatzt. Das tut dann ziemlich weh! Personal ist ganz fürchterlich inkompetent und ich bin froh wenn wir gehen können.”
Um 5 wurde mir natürlich der Katheter gezogen, die Dame war aber so nett und hat mir ein Brot gebracht nachdem mein Magen entsprechend laut geknurrt hatte. “Die Essensreste sollten nicht rum stehen, da es hier ein kleines Kakerlaken Problem gibt!” Kam sofort von meiner Zimmer Nachbarin. Natürlich hab ich die Viecher schon an der Decke gesehen.

“Du bist nicht normal!”

Um 7 Uhr kam jemand um mir auf den Topf zu helfen und mir zu zeigen wie ich mich zu waschen habe. Wo ich das Material dazu finde wiederum nicht. Wirklich schmerzhaft war das Wasser lassen allerdings nicht, was von meiner Zimmer Nachbarin mit einem bewundernden “Du bist nicht normal!” quittiert wurde. Wir hatten da schon Stillfrust, weil er nicht richtig trinken wollte. Es sollte später jemand die Pumpe bringen. Als mein Freund kam, brachte er mir Frühstück, wirklich geschlafen hatte ich nicht. Für den Kleinen gab es Socken für die Hände, unglaublich wie lang die Fingernägel schon waren. Er hatte wohl auch Bauchschmerzen und hat Sab Simplex bekommen, der stolze Papi hat sein bestes getan um ihn zu beruhigen das ich etwas schlafen konnte. Es wurde festgestellt das er Fieber hat, wohl aus Hunger, darum hat er eine Flasche bekommen. Meine Schwester und Mutter kamen angekündigt, meine Großeltern unangekündigt. Ich hatte ursprünglich gewollt das meine Mutter schnell kommt, bis sie gleich anfing am schlafenden Kind herum zu fummeln. Ich kann es ja verstehen das die Füsse so toll sind aber doch nicht, wenn er gerade eingeschlafen ist. Meine Oma hat sich gleich mal auf meinem frisch operierten Bauch abgestützt. Offensichtlich hatte sie auch nicht verstanden das ich einen Kaiserschnitt hatte. Meine Zimmer Nachbarin war da schon weg, hatte sich auf eigenen Wunsch früher entlassen. Bis zum nächsten Morgen war ich allein auf dem Zimmer. In der Nacht hatte ich nach der Schwester geklingelt, da ich auf die Toilette musste. Daraufhin wurde ich forsch darauf hin gewiesen das sie alleine sei und jetzt keine Zeit hätte sich um den Kleinen zu kümmern. Ich entgegnete genauso forsch das sie ihn nur ins Bett legen soll, da ich durch meine Schmerzen vom Kaiserschnitt leider nicht dazu fähig bin und sie dann gern gehen kann den Rest bekäme ich allein hin.

Am Tag darauf kamen meine Schwiegereltern und sind mit dem Kleinen und meinem Freund raus, dass ich endlich duschen konnte. Nach dem duschen stellte ich fest das mir keine Kleidung mehr passte, angeblich hat man nach der Geburt die Figur vom 5. Monat. Wie ich später feststellen musste, hatte ich mir auch absolut keine Gedanken darüber gemacht wie ich stillen konnte mit den Sachen. Ich bin also mit viel zu engen Hosen, die auf die Wunde drückten los gezogen um meine liebsten zu suchen. Ich fand alle auf dem Flur wieder mein Kind war am brüllen und hat die Flasche verweigert.
Es war super heiß mit einer der wärmsten Tage im Jahr wir hatten sicher 50 Grad im Zimmer. Meine neue Zimmer Nachbarin hatte eine 30 min Sturzgeburt und mir erzählt das wohl alle gerade entbunden hatten, sie durften nicht in ihr Wunschkrankenhaus fahren da dieses schon überbelegt war. Auch sie hatte ein Stillhut bekommen, obwohl sie wunderschöne große Brustwarzen hatte. Nachts habe ich den kleinen gewickelt, mehr schlecht als recht er hatte zum Schluss sein großes Geschäft überall. Er hat leider trotz stündlichem stillen gebrüllt.

Morgens habe ich es dann das erste Mal geschafft auf die Toilette zu gehen, der Kleine hat es verpennt. Normalerweise habe ich gewartet bis mein Freund da war. Wir sind etwas an die frische Luft, war ganz schön anstrengend da unser Sohn lieber auf dem Arm getragen werden wollte. Mittags kam eine Freundin und hat uns Eis gebracht, weil sie mit bekommen hatte wie heiß es war. Als wir pünktlich zum Mittagessen wieder auf dem Zimmer waren, kam die Schwester und wollte den Kleinen mitnehmen zum Wiegen und wickeln. Da musste sie warten erst wurde gestillt anschließend sind wir zum Wickeln und Wiegen. Wir durften sie daran erinnern nochmal Fieber zu messen, das war wohl untergegangen, wenigsten ging das runter. Darauf hieß es dann “Sie können gleich bleiben Ärztin ist grad da”. Gut das unser Essen nicht kalt wurde in der Zeit. “Sie sind Familie Remmers?” “Nö!” “Oh dann muss ich nochmal los.” Das war für den Kleinen zu lange Wartezeit und die Männer sind nochmal eine Runde laufen gegangen während ich gewartet habe. “Legen sie sich schon mal hin”. Leichter gesagt als getan ohne meinen Bettgriff ging das noch gar nicht. Sie hat mir netterweise geholfen. Nach der Aufregung war ich ziemlich fertig. Wenigstens hat der Kleine kurz ohne Stillhut gestillt. Da der Kleine recht viel gebrüllt hatte trotz stillen habe ich immer wieder Fläschen bringen lassen die wurden nicht wirklich getrunken. Wir haben trotzdem geklärt das meine Schwester uns zur Sicherheit Pre Nahrung besorgt und sie hat uns auch ein Flaschenset mitgebracht. Als ich mit ihr telefoniert hatte fing der Kleine an mit brüllen und eine Schwester wollte ihm sofort einen Schnuller geben. Ich musste mein Telefonat abbrechen, weil sie nicht auf meinen Wunsch eingegangen ist das der Kleine keinen Schnuller bekommen sollte.

Am nächsten Morgen konnte ich mir das erste mal allein Frühstück holen, da meine Zimmer Nachbarin so lieb war und kurz aufgepasst hat. Während dem Frühstück ist er wach geworden, also hab ich stillend weiter gefrühstückt. Es konnte uns leider wieder keiner sagen wann die Abschluss Untersuchung sein würde, allerdings hatte ich morgens schon mitbekommen das auf mein Bett schon gewartet wird daher war klar das es vermutlich vor dem Mittagessen sein wird. Bei der Untersuchung lief alles gut also ab ins Zimmer packen. Da fanden wir unter meinem Kissen den Essensplan und diverse Aufkleber für Untersuchungen. Beim Gehen wurde uns noch gesagt das sich der Kleine ja gemausert hätte, das hatte anfangs ja nicht so ausgesehen. Wir mussten da leider auch schon wieder raten wo wir die Papiere abholen mussten.

Dinge an die ich mich erinnere aber nicht mehr zeitlich zuordnen kann, so eine Stilldemenz ist schon etwas nerviges:

  • Wir wurden etwas forsch angegangenen, weil wir dem Kleinen das Arm- und Fussbändchen nicht abgemacht hatten, wurde uns leider nicht gesagt, dass man das muss.
  • Ich musste mich rechtfertigen warum ich den Kleinen immer noch nicht gewickelt habe, auch hier musste ich tätig werden und die Damen darum bitten mir zu zeigen wo das entsprechende Material ist.
  • Irgendwann war es wohl einer Dame zu anstrengend uns eine Flasche zu bringen, da hat uns wieder niemand gesagt, das dass allein möglich ist und wo alle Dinge zu finden sind.
  • Als wir allerdings selbstständig den Kleinen nach dem Stillen gewogen haben war die Dame etwas verdutzt, das wir das allein hin bekommen haben.
  • Es gab ein Stillzimmer, das ich erst am Tag vor der Entlassung entdeckt habe.
  • Das am Bett eine Fernbedienung ist um das Licht zu dimmen hab ich auch erst kurz vor der Entlassung mitbekommen.
  • Wenn wir nach den Schwestern geklingelt haben ist an der Tür entweder ein grünes oder ein rotes Licht angegangen. Am zweiten Tag wusste ich zu wem das Licht gehört die Schwestern nicht.
  • Gut fand ich das es einen Tag gab an dem man das Kind anmelden konnte ohne extra später auf ein Amt springen zu müssen. Mein Partner hat auch einen Kurs besucht, wie man mit einem Neugeborenen umgeht und was man beachten muss. Er fand ihn allerdings nicht sehr informativ.

Alles in allem muss ich sagen war der Aufenthalt für mich schrecklich. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt gut aufgehoben gefühlt. Informationen wurden zu wenig gegeben oder entsprechend vorausgesetzt. Es wurde kein Unterschied gemacht ob es das erste Kind war oder ob man einen Kaiserschnitt hatte. Das man vor allen Leuten die im Zimmer waren stillen musste fand ich leider auch sehr unangenehm. Natürlich ist sicher einiges darauf zurück zu führen das wirklich wahnsinnig viele Geburten stattgefunden hatten. Das ein Krankenhaus allerdings für so einen Fall nicht ausgelegt ist, finde ich schon bedenklich.

Wie die Geburt verlaufen ist könnt ihr übrigens hier Die Geburt nachlesen!