Schmerzfreie Geburt

Schmerzfreie Geburt

30. Juni 2020 0 Von Alex

Lieber sterben wir zu Hause, bevor ich nochmal ins Krankenhaus gehe”

Ist es überhaupt möglich?

Wie ihr ja nachlesen könnt war unsere erste Geburt nicht gerade schön oder angenehm. Auch wenn es sich witzig liest, was natürlich gewollt ist, hatte ich ein Trauma. Am Schlimmsten war, dass ich es erst später herausgefunden hatte, warum diese Geburt so gelaufen ist. Die Trigger die ausgelöst wurden, dem Kind würde es nicht gut gehen. Das Gefühl dem ganzen Krankenhauspersonal ausgeliefert zu sein.

Die Angst vor den Schmerzen und die Hilflosigkeit, niemand der einen unterstützt hat und wirklich da war.

Auch mein Mann sagte im Nachhinein, dass er gemerkt hatte, man will uns loswerden, weil wir zu lange brauchten. Was er nicht verstanden hatte, dass ich nicht mehr für mich einstehen konnte und ihn gebraucht hätte, um uns aus dieser verfahrenen Situation raus zu bekommen.

Wieder Schwanger

Jetzt war ich in der zweiten Schwangerschaft und fragte mich ob es nicht anders gehen könnte. Ich hatte mich schon vor der Schwangerschaft dafür entschieden eine Hausgeburt zu wollen. ” Lieber sterben wir zu Hause bevor ich nochmal ins Krankenhaus gehe”.

Da saß ich nun schwanger und suchte eine Hebamme. “Du hattest doch einen Kaiserschnitt, da geht das doch gar nicht zu Hause.” “Das Risiko ist zu groß, was wenn etwas passiert?”. Diesmal konnte Dr.Google mir nicht helfen. Schließlich kam das Telefonat mit einer Hebamme und die hatte ihre erste Geburt per Kaiserschnitt und danach eine vaginale Hausgeburt. Somit war der erste Schritt schon gesetzt und die Zweifler verstummten erstmal.

Im Nachhinein sehe ich vieles anders im Bezug auf die erste Geburt. Der Stillstand könnte an den äußeren Umständen gelegen haben. Klar war ich nach 14 Stunden fertig, aber nach einem Einlauf und der Badewanne, so wie kaum etwas zu essen, ging irgendwann nichts mehr. Die Ruhephasen konnte ich auch nicht nutzen. Mein Gefühl sagte mir ich will stehen zur Geburt und hätte jemand gebraucht der mich hält. Aber mit fast 80 kg war ich meinem Mann der mindestens 10 Kilo weniger wog, unzumutbar, der hatte schließlich noch mehr gelitten wie ich.

Onlinekurs

Ich stieß auf Instagram auf eine Werbung zu einer Webseite die “Geburt mit flow” hieß. Schließlich gab es auch hierzu eine Facebook Gruppe, die eine 5 tägige Challenge veranstaltete. Hier sollten wir uns mit der bevorstehenden Geburt und den damit verbundenen Ängsten befassen. Letzten Endes sind solche Challenges immer dafür ausgelegt, etwas zu verkaufen, so auch hier. Ein Onlinekurs wurde angeboten, mit fast 300 Euro war der aber so gar nicht in meinem Budget. Durch einen glücklichen Zufall bekam ich diesen super günstig.

In diesem erfuhr ich, dass ich den Zugang verweigern darf. Wie die Ärzte und das Krankenhauspersonal einen beeinflussen um einen schnell wieder los zu werden. Wie die Anatomie des Beckens ist. Es gab viele Aufgaben zur Achtsamkeit wie die Dankbarkeitsliste und positive Affirmationen, um das innere Mindset umzuprogrammieren.

Welche Ängste in mir waren und nach Punkten bewerten.

5 sehr 1 nicht so sehr

Während der Schwangerschaft:

  • das Kind im Bauch schon stirbt 5

Im Bezug auf die Geburt:

  • das ich es nicht ohne Kaiserschnitt schaffe 5
  • Die Schmerzen zu stark werden 3 
  • es wieder zu lange dauert 2
  • Das mir die Kraft ausgeht 3
  • das Kind dabei stirbt 5
  • Das wir wegen Komplikationen ins Krankenhaus müssen 5

Wochenbett:

  • mein Mann kann mich nicht genug unterstützen 5
  • kein Geld 5
  • Arbeiten geht nicht 5
  • der Große Bruder akzeptiert es nicht 5
  • das ich durch den Schlafmangel aggressiv werde 5
  • kann nicht allen gerecht werden 4
  • nicht genug Zeit für mich 3

Babyzeit:

  • Es entsteht keine Routine 3
  • das ins bett bringen wird Horror mit beiden 4
  • Finanzielle Katastrophe 5
  • geht arbeiten? 5

Bücher

Von einer Freundin bekam ich einige Bücher unter anderem zu den Themen Hypnobirthing und Alleingeburt. Im Internet hatte ich mir zusätzlich Mediation zu Hypnobirthing heruntergeladen. In Verbindung mit dem Kurs kamen noch weitere hinzu, so das ich ab da jeden Abend mit Meditationen einschlief. Die Atemübungen machte ich auch brav täglich wie im Kurs vorgeschlagen auf der Toilette beim Stuhlgang.

Ich wollte an meiner Einstellung zur Geburt arbeiten. Mit meinem Mann habe ich die erste Geburt durch gesprochen und auch was ich glaubte was schief gegangen war. Er hatte überhaupt nicht realisiert, dass ich für mich nicht mehr einstehen konnte.

Alleingeburt

Dieses Buch hatte ich schon angefangen als die Hebamme sich noch nicht zurückgemeldet hatte. Ich wollte mich schon darauf einstellen, dass wir das vielleicht allein machen müssten. Für mich war das Buch am informativsten. Wie man die Kindslage herausfinden kann. Wie das Baby aussehen kann, was für Werte wichtig oder eben nicht sind.

Das keine Muttermund Kontrolle nötig ist, sogar am Besten wegen Infektionsgefahr ganz gelassen werden sollte. Ich erfuhr auch, dass ich gar nicht zum Arzt muss, wenn ich nicht will. Allerdings ist das auch abhängig vom Hebammen Vertrag. Manche benötigen diverse Termine, wie zum Beispiel den ET+4 oder auch ET+10. Wofür das Nabelschnur auspulsieren ist.

Als die Hebamme dann schließlich, kam brachte sie irgendwann ein Buch mit, das hieß witzigerweise “Geburt mit Flow”. Hier erfuhr ich viel über die Urgewalt und alles spirituelle. Das Foto von der Zeichnung entstand daraus.

Fragen, Fragen, Fragen…

Wie reagiere ich, wenn die Geburt mit einem Blasensprung beginnt aber ohne Wehen beginnt?

Wie wird es sein, wenn die Wehen beginnen?

Wie reagiere ich, wenn es superschnell geht?

Was tue ich, wenn sich die Gebur lange zieht?

Was ist, wenn die Geburt tagsüber ist?

Was wenn die Wehen unerträglich werden?

Wann will ich eventuell die Hebamme rufen?

Was tue ich, wenn mein Partner mit der Situation überfordert ist?

Erster Kaiserschnitt notwendig?

Die Hebamme hatte sich unseren Geburtsbericht von der ersten Geburt angeschaut. Die Werte vom Baby waren perfekt. Mir wurde allerdings da relativ schnell vermittelt, dass wir schnell handeln sollten. Auch vom gesamten Ablauf war sie nicht so begeistert. Ihrer Ansicht nach hätte es  noch andere unterstützende Maßnahmen gegeben. So war ihr Ziel ganz klar dasselbe wir meines, das Kind sollte “unten” raus kommen.

Immer wenn ich auf die bevorstehende Geburt angesprochen wurde, hatte ich dieselbe Antwort: “kein Problem das werden drei schmerzfreie Stunden und flutscht nur so!”…