Windelfrei

Windelfrei

7. März 2018 0 Von Alex
Ihr habt ja schon mitbekommen das unser Sohn deutlich gemacht hat, dass es ihn genervt hat in die Windel zu machen. Es fing nachts an, dass er zur Beruhigung nicht mehr die Brust nahm. So wie jede Mama geht man die üblichen Checks durch, hat er Hunger oder eine volle Windel. Da es offensichtlich nicht der Hunger war, ging ich also die Windel wechseln. Dabei hatte er mich, wie schon geschrieben, fast angepinkelt. Daraufhin hatte ich ihm das Waschbecken zum Pinkeln angeboten. Ich fing also an ihn regelmäßig abzuhalten. Das heißt seinen Rücken an meinen Bauch zur Unterstützung, da er noch nicht sitzen konnte und mit meinen Händen seine Schenkel halten. Verschiedene Variationen zum Abhalten könnt ich hier : Abhaltepositionen nachschauen. Wir haben regelmäßig die Armaturen bespritzt, bis ich gelesen hatte, dass man mit dem Finger zielen kann. Anschließend wurde natürlich wieder recherchiert und ich fand heraus das es üblich ist, dass gegen 3 Uhr morgens die Darmfunktion wieder startet. Daher auch der Wille die Blase oder den Darm zu leeren. Es gibt auch so genannte “Standardsituationen” bei denen man sein Kind abhalten kann. Also nach dem Aufstehen, nach einer Autofahrt, nach einer längeren Zeit im Tragetuch oder Tragehilfe, vor dem Schlafengehen und vor, während, oder nach dem Stillen. Da hatte ich zur Geburt einen ganzen Schwung neuer Stoffwindeln gekauft und dann entschied der Kleine er will gar keine Windel haben. Da wir trotzdem weiter mit Windeln wickeln nennt man das Teilzeitwindelfrei. Meine Schwiegermutter war damals überzeugt, das es an den Stoffwindeln liegen würde, dass er gewickelt werden wollte. Da wir aber aufgrund meines Kaiserschnittes anfangs Wegwerfwindeln verwendeten, wusste ich, das mein Sohn ein sehr ausgeprägtes Körpergefühl hat.
Signale bei Windelfrei
Auf der Grafik sind einige Punkte aufgeführt die hilfreich beim erkennen der Zeichen sein können. Die Laute können einem auch weiter helfen. Das hat bei uns nur kurz funktioniert, nach dem ersten Schub im ersten Monat war das vorbei. Hier nochmal die Bedeutung. „Neh“ = Hunger, „Owh“ = Müde klingt eher wie „Au“,“Heh“= Unwohl sein, „Eer“ = pupsen/Ich muss mal, „Eh“= Aufstossen. Natürlich gibt es auch hierfür eine Facebookgruppe die hilfreiche Tipps geben konnte. Allerdings gab es hier einen Tipp, der für uns einfach nicht funktionierte. Man sollte das Baby nackt lassen und nach Zeichen Ausschau halten, ich habe natürlich keine Zeichen erkennen können. Er hat in den ersten Monaten ständig gemeckert und noch öfter gepickelt. Am einfachsten war es beim Stillen, da hat er meist abgedockt und nicht mehr weiter stillen wollen. Als er Zähne bekommen hat, wurde da auch regelmäßig gebissen. In den ersten Nächten habe ich mit erhöhtem Lattenrost quasi im Sitzen geschlafen, da ich so mit meinen Kaiserschnittschmerzen besser aufstehen konnte. Der Kleine hat regelmäsig im Schlaf geweint und hat aufgehört wenn ich ihn von mir runter auf Bett gelegt habe. Im Nachhinein gehe ich davon aus, dass er nicht auf mir pinkeln wollte. Anschließend kam als Zeichen, das er nicht mehr Stillen wollte dazu. Eine zeitlang wurde bewusst die Decke weg gestrampelt, dass hat irgendwann aufgehört, da er ganz ohne Decke am Besten schlief. Er hat ständig die Zeichen nachts geändert, mit dem Sitzen lernen hat er sich aufgesetzt und gemeckert, beim Krabbeln lernen wollte er aus dem Bett krabbeln. Als er stehen lernte mit acht Monaten war es mit Windelfrei nachts erstmal vorbei. Wenn man sich entscheidet windelfrei zu betreiben, kommt man recht schnell zum Punkt Bekleidung. Da ich mein Kind quasi permanent aus und wieder anzog, bemerkte ich wie unglaublich lange das alles dauerte. Bodys und Strumpfhosen sind so gar nicht geeignet, dass dauerte viel zu lange. Ich bin dazu übergegangen größere Bodies anzuziehen und unten offen zu lassen. Da wir zum Glück ein Sommer Baby haben, war es sehr hilfreich einfach nur eine Windel und bei Bedarf Shirt und Socken anzuziehen. Auch hier gibt es einem unglaubliches Angebot an Bekleidung und Bedarf. Sogenannte Splitpants und Asiatöpfchen und es gibt auch einen Windelgürtel, das ist ein elastisches Band an dem man eine gefaltete Mullwindel einklemmen kann. Bei meinem Zappelphilipp leider auch keine Option. Babylegs habe ich uns gestrickt, leider passten die meinem Speckbär nicht, was eher an meiner unprofessionellen strickweise lag. Ich habe mich gegen einen Asiatopf entschieden, dieser ist super zum Abhalten während des Stillens. Da wir so schon ziemliche Schwierigkeiten damit hatten, wollte ich uns da nicht noch mehr Steine in den Weg legen. Ausserdem konnte ich mir nicht vorstellen vier Kilo über den Topf zu balancieren. Die Nächte wurden zeitweise sehr anstrengend, teilweise wurde ich stündlich aus dem Bett zitiert damit er pinkeln konnte. Das machte ich in dieser Form recht lange mit. Da unsere Tage aber nicht weniger anstrengend waren, versuchte ich es mit verschiedenen Optionen. Ich hatte uns einen Topf besorgt, den ich auf ein tiefes Sideboard am Bett stehen hatte. Nun ist der Zweiteilig, ein Teil zum raus nehmen um ihn leichter zu leeren. Das hatte beim Abhalten zur Folge, das vieles dazwischen ging und mir ziemlich viel versaut hatte. Ausserdem war meine Treffsicherheit im Halbdunkeln auch nicht besonders. Ich hatte es mit einer Wickelstation am Bett versucht, um mir Wege zu verkürzen. Der Topf stand dann direkt auf dem Boden auf einer Mullwindel. Der Versuch nur die Windel zu öffnen und ihm gut zu zu reden, klappte leider auch nicht. Er wollte meistens ins Bad. Das hing vielleicht damit zusammen, das Babys in der Regel ihr “Nest” nicht beschmutzen wollen. Da immer wieder die Windeln ausliefen, bin ich dazu übergegangen zu festen Zeiten meist um Null Uhr oder spätestens um drei Uhr zu wickeln. Anfangs hatte er das noch akzeptiert. Als er anfing auch hier sich zu wehren, bin ich auf Höschenwindeln in Wegwerfform umgestiegen. Unser Nachtschlaf war mir wichtiger und ihn hat es nicht mehr gestört. Statt dem Waschbecken benutzten wir irgendwann das Klo. Da er sich anfing zu drehen mit ungefähr sechs Monaten. Ich musste nach dem großen und kleinen Geschäft das Waschbecken putzen und das wurde dann zu gefährlich. Das Töpfchen wurde anfangs leider nicht so gerne benutzt, zumindest nicht fürs Geschäft. Wir setzten uns also zusammen falsch herum auf Klo, dabei hielt ich ihn wieder an den Schenkeln und lehnte ihn an meinen Bauch. Auch beim Tragen habe ich irgendwann angefangen bevor er ins Tuch oder die Trage kam ihn abzuhalten. Und schon wurde es viel angenehmer. Wenn er beim Tragen brüllte war es meistens, weil er nicht darin pinkeln wollte. Selbst wenn er nur auf dem Arm getragen wurde hat er seinen Unmut geäussert, wenn er mal musste. Da half dann der klassische Fliegergriff, meine Theorie ist, das viele Koliken gar nicht unbedingt immer welche sind. Sondern die Kleinen in den ersten drei Monaten verzweifelt versuchen den Eltern zu zeigen, das sie nicht in die Windel machen wollen. Danach verlernen viele Kinder das Bedürfnis und die “Koliken” hören auf. Das dies bei Jungs oft schlimmer ist, würde ich am drückenden Penis erklären. Meine Theorie habe ich mal in der Windelfrei Gruppe geäußert, eine wirkliche Antwort darauf bekam ich leider nicht. Das es echte Koliken gibt steht ausser Frage da es viele Windelfrei- Eltern gibt, die das Problem trotzdem haben. Allerdings gibt es auch viele Eltern die Windelfrei betreiben wollen deren Babys aber kein Interesse daran haben. Jedesmal wenn der Kleine einen weiteren Entwicklungsschub hatte funktionierte Windelfrei eher schlecht als recht. Wir hatten viele volle Windeln. Die ersten Monate auch viel Stuhlgang, mit Stoffwindeln natürlich nicht so angenehm. Als er mobil wurde funktionierte im Schub Stuhlgang oft trotzdem. Mit ungefähr acht monaten war ihm nachts abhalten nicht nur egal sondern regelrecht unangenehm. Das morgendliche Abhalten hat auch eher selten funktioniert. Aber am Schlimmsten war das Wickeln. Er hat sich gewehrt und gekreischt. Da wir bis zum sechsten Monat nachts bis zu sechs Stunden trocken waren und tagsüber alles auch recht gut funktionierte, war ich ziemlich enttäuscht. Mein Drang alles gut zu machen und ihm zuliebe hat uns hier wohl aus der Bahn geworfen. Ich habe uns unter Druck gesetzt, dann funktioniert das ganze leider nicht mehr. Das Verständnis das Windelfrei richtig “Ausscheidungskommunikation” bedeutet hat mir geholfen. Wenn also mein Kind mir zu verstehen gibt, dass es nun nicht abgehalten oder auf den Topf will, dann muss ich das akzepieren. Ich habe ihn also öfters ohne Windel gelassen, weil die Windelkämpfe ihn und mich einfach zu fertig gemacht hatten. Ich wollte stillen und abhalten nicht verbinden. Da nach dem Stillen die Blase recht schnell wieder voll ist. Das Nuckeln zum entspannen fing er allerdings von selbst so ab dem zehnten Monat an. Er hat sich dazu auf der Toilette umgedreht und nebenher gestillt. Als er laufen konnte mit zwölf Monaten, fing er an sobald er nackt war, die Wohnung zu markieren. Er lief zwei Schritte rückwärts machte ein paar Tropfen auf den Boden und hörte auf. Lief anschließend wieder zwei Schritte und fing dann wieder an zu pinkeln. Meist so lange bis nichts mehr kam. Für mich super nervig und anstrengend, für ihn ganz klares Lernen was da unten passiert. Eine Freundin hatte nocg die Theorie das er meine Reaktion , also das weg wischen toll fand und darum die Aktion veranstaltete. Es hörte allerdings von allein wieder auf. Mit ungefähr fünfzehn Monaten fing an sein Töpfchen sehr gerne zu benutzen. Er durfte es selber leeren und wollte Bücher dabei anschauen. Zu dem Zeitpunkt gab es als Zeichen: mit Windel er schaut an sich runter oder klopft auch auf die Windel wenn er muss. Zum Teil war die dann trotzdem schon nass. Die meiste Zeit klappte es intuitiv am besten, wirklich immer wenn ich darüber nachdachte das er vielleicht mal muss, war es der Fall. Tatsächlich bekam ich die besten Zeichen wenn er nackt war oder eine Windel anhatte. Nur mit Hose oder Strumpfhose kam erst was wenn die nass war. Wenn ich mal nicht mitbam wann und wo der Unfall passierte zeigte er mir wo es nass war. Momentan sind wir mit neunzeun Monaten tagsüber trocken. Er sagt immer Bescheid wenn er mal muss. Ich ziehe ihm nur zum schlafen und wenn wir unterwegs sind eine Windel an. Ich hoffe zum Sommer hin entsprechend windelfrei für nachts wieder einführen zu können. Wer Windelfrei betreiben möchte, darf keine Angst vor den Ausscheidungen haben. Sollte immer Lappen parat haben und sich nicht darüber aufregen, wenn man was daneben geht. Oberstes Moto lächeln und wischen oder umziehen.